Veröffentlicht am Mittwoch, 19. Oktober 2016 um 11:45 Nicolas Annen auf wort.lu

Centrale thermique Esch sur Alzette
Auch wenn ein Teil der thermische Zentrale bereits abgerissen ist, so ähnlich kann man sich das Projekt vorstellen. (GRAFIK: BALLINIPITT ARCHITECTES URBANISTES)

(na) – „Es herrscht wieder unmöglicher Stau. Sollen wir die Seilbahn nehmen, damit wir den Film in Belval nicht verpassen?“. Ginge es nach dem Architekten Gilbert Ballini, könnte eine solche Frage in ein paar Jahren nicht abwegig klingen. Zumindest nicht in Esch.

Eine Antwort auf die Verkehrsproblematik

Der Architekt, der sich selbst als „Escher“ bezeichnet, beschäftigt sich schon seit längerem mit der Verkehrsproblematik der Minettemetropole. Diese werde sich nicht verbessern, wenn die umliegenden Industriebrachen wie Arbed/Schifflingen oder Terres rouges urbanisiert werden – auch wenn diese für Esch eine einzigartige Gelegenheit darstellen.

Ein erster Plan im Kopf

trajectoires
Rot eingezeichnet ist die von Architekt Gilbert Ballini ausgedachte Seilbahnstrecke. Orange eingezeichnet ist das Projekt des Escher Schöffen Jean Tonnar. (GRAFIK: BALLINIPITT ARCHITECTES URBANISTES

Zusätzliche Bahnhöfe könnten auf so kurzer Strecke wohl kaum gebaut werden. Der Aufwand für eine Trambahn sei groß. Und das Bussystem stoße wegen der Enge am Fuße des Galgenberg an seine Grenzen. „Warum also nicht eine Seilbahn?“, fragt er.

Für Escher nicht neu

metropole-du-fer
Lange Jahre über gehörten Seilbahnen zum Landschaftsbild der Minette dazu. (BILD: BALLINIPITT ARCHITECTES URBANISTES)

Eine „Seelbunn“ sei für Esch nichts Neues. So sind es auch die Schneisen der früheren Industrieseilbahnen, die zum Transport von Eisenerz dienten, die ihn auf die Idee gebracht haben.

Ebenfalls bieten sich die Trassen der dicken Industrieröhre an, die früher die Werke untereinander und mit der thermischen Zentrale der „Terres rouges“ verbunden haben. Damit sei es möglich, Linien zu ziehen, die keine Häuser überqueren.

Der Teil einer Transportkette

Derzeit seien viele Städte dabei, die Seilbahn als Transportmittel für sich zu entdecken, argumentiert er weiter. Sie sei leise, ökologisch und könne einen durchgehenden Transportbetrieb anbieten. Demnach sieht Gilbert Ballini eine Seilbahn weder als Prunkbau, noch als reine touristische Attraktion, sondern als Glied einer Transportkette. Verbunden mit Auffangparkplätzen und Busstationen.

Nächster Halt: Südspidol

Anders als der Escher Schöffe Tonnar, der letzte Woche eine Machbarkeitsstudie angekündigt hat, hat Gilbert Ballini demnach nicht nur eine einfache Verbindung zwischen dem Zentrum und Belval im Sinn. Sondern schon einen ersten Plan entworfen, mit einer Strecke von Lallingen (beim Stahlwerkareal) bis zur Universität (siehe oben).

Inklusive Zwischenstationen beim Bahnhof, später einmal auf der Brache „Terres rouges“ und beim neuen CHEM-Südspidol (der 2022 bei Raemerich eröffnen soll). Was seinen Plan etwa wie den einer Tramstrecke aussehen lässt. „Der Bau einer Seilbahn ist viel weniger aufwendig und billiger als der einer Trambahn“, unterstreicht Ballini noch.

Die Machbarkeitsstudie müsse nun zeigen wie hoch die Unterhaltskosten wären, einer der Negativpunkte einer solchen Installation.

In sechs Minuten nach Belval

Die Gesamtlänge seiner Strecke beträgt sechs Kilometer. Bei einer Geschwindigkeit von 22 km/h würde es sechs Minuten lang dauern, um von Belval bis zum Bahnhof zu gelangen. Knapp länger als der Zug. Dafür aber mit Zwischenstopp beim künftigen Südspidol. Und vor allem mit einer schöneren Aussicht.